Die erstaunliche Geschichte der Tomate

Viele Menschen lieben die Tomate, und so ist sie nicht nur im Sommer von keinem Speisezettel mehr weg zu denken. Doch wussten Sie, dass das nicht immer so war? Tatsächlich wurde die Frucht mit der botanischen Bezeichnung „Solanum lycopersicum“ erst relativ spät, nämlich im 15. Jahrhundert, bei uns in Europa bekannt. Ihre ursprüngliche Heimat ist Süd- und Mittelamerika, wobei sie im Norden von Chile und Venezuela auch in wilder Form auftritt. In Nahuatl, der Sprache der Ureinwohner, nennt man sie „Tomatl“, und hier ist der Ursprung unseres Begriffs zu finden. Eine andere Bezeichnung ist auch „Xitomatl“, was in deutscher Sprache so viel wie „Nabel des dicken Wassers“ bedeutet. Über die Geschichte der Frucht, die sich nicht nur bei uns in Deutschland solch großer Beliebtheit erfreut, gibt es tatsächlich viel zu berichten, was sich durchaus zu wissen lohnt. Kolumbus und nach ihm Cortéz waren die Ersten, die die Frucht des Nachtschattengewächses in vielen verschiedenen Farben und Größen vorstellten. Einige Jahre später, nämlich 1544, berichtete der Botaniker und kaiserlicher Leibarzt Pietro Andrea Mattioli von der Pflanze, die er „Pomi d’oro“ (Goldener Apfel) und „Mala aurea“ nannte. In der wissenschaftlichen Literatur jener Jahre ist die Tomate aber auch als „mala peruviana“, „pomi del Peru“ (peruanischer Apfel), „poma aurea“, „pomme d’Amour“, „pomum amoris“ (Liebesapfel) oder auch zum Beispiel unter „poma amoris fructo luteo“ oder „poma amoris fructo rubro“ zu finden.

Tomaten

Tomaten

Können Sie sich vorstellen, dass sich die Menschen in unseren Breiten damals vor allem von Brot und Haferbrei ernährten? Im warmen Klima von Spanien und Italien wurde sie nun in immer größerem Stil angebaut. Darüber hinaus gab es damals noch ungleich mehr Sorten als heute. Aber gegessen hat man sie trotzdem noch lange nicht. Die Tomate hat nämlich große Ähnlichkeit mit der Schwarzen Tollkirsche, die sehr giftig und für den menschlichen Verzehr gar nicht geeignet ist. In manchen Gegenden bezeichneten die Menschen sie auch als Lycopersicon (Wolfspfirsich). Und auch die damals noch sehr mächtige Kirche wetterte gegen die Frucht und behauptete, sie käme direkt vom Teufel. Halbiert man eine Tomate, sehen die Kammern, in denen die Samen eingeschlossen sind, wie ein Herz aus. Und ist nicht der Satan als großer Verführer bekannt? Nicht wenige Kleriker waren damals der Ansicht, dass wir es bei der Tomate mit der verbotenen Frucht des Baumes der Erkenntnis zu tun haben. Schuld daran war wohl auch die rote Farbe, dass man ihr Steigerungen der Potenz und Förderung der sexuellen Lust nachsagte. Darauf deutet der noch heute gebräuchliche französische Begriff „pomme d´amour“ hin. Sex hatte nach Ansicht der Kleriker nur zum Zweck der Fortpflanzung und selbstverständlich ohne das Empfinden von Liebe und Lust stattzufinden. So kam es dazu, dass man die Tomate lange Jahre nur als Zierde in Haus und Garten verwendete. Die Stauden gaben im Garten ein herrliches Bild, und auch in einer Obstschale machte sie sich zwischen anderem Obst wie den heimischen Äpfeln und Birnen sehr gut. Aber dennoch gab man ihr wohlklingende Namen wie Paradiesapfel, Paradeiser und gar Liebesapfel, und verschiedentlich wurde sie verwendet, um medizinische Tinkturen zu brauen. Heute hat die medizinische Forschung längst ergeben, dass Sie Ihrem Organismus durch den Verzehr von Tomaten nicht nur die Vitamine B1, B2, B6, C und E, sondern auch Folsäure und Mengen von Carotin wichtigen Mineralstoffen zuführen.

Vor allem in England setzten sich Angehörige des Hochadels über das kirchliche Verbot hinweg. Und sie starben einen grässlichen Tod, was dem Verbot von kirchlicher Seite natürlich mehr Vorschub leistete. Aber war denn wirklich die Tomate schuld an diesen Todesfällen? Das kann zum Teil bejaht werden. Denn damals war das Geschirr von hohen Herrschaften noch nicht aus Porzellan, sondern aus Zinn. Kam dieses Metall mit der Säure der Tomate in Kontakt, wurde eine chemische Reaktion ausgelöst. Und diese hatte zur Folge, dass sich das Blei aus dem Zinn löste, in den menschlichen Organismus gelangte und ihn vergiftete. Die grell rote Färbung der meisten Sorten, die Sie heutzutage im Handel finden, stammt von einem sehr starken Antioxidans, das unter dem Begriff „ Astaxanthin “ bekannt ist. Kurz, nachdem die Tomate in Europa bekannt geworden ist, war die Frucht noch so teuer, dass sie sich nur die obersten Schichten der Bevölkerung leisten konnten. Nachdem der Dreißigjährige Krieg beendet war, aber gab es in Deutschland nur ganze vier Gärtner, die die Tomate anbauten. Das hat sich heute gründlich geändert. Aber handelt es sich bei der Tomate denn nun eigentlich um eine Obst- oder eine Gemüsesorte? Sowohl als auch. Denn wie zum Beispiel auch Gurken, Auberginen, Kürbisse, Zucchini und Paprika gehört sie zum so genannten Fruchtgemüse, da hier nur die Früchte genießbar sind. Aus den Küchen der Welt ist die Tomate seit vielen Jahren nicht mehr weg zu denken. Wer hätte damals, als Kolmbus und Cortéz sie erstmals vorstellten, an einen solchen Siegeszug glauben wollen?

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8. November 2017 | Posted in Gesundheit & Medizin
Diese Autor hat veröffentlicht 4 Artikeln. Mehr Infos über den Autor kommt bald.

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